Erfahrungsberichte


Bedingungslose Liebe brachte mich zurück in die Arme Gottes


Vor ungefähr 2 Jahren habe ich mir eingestanden, dass ich schwul bin! Es war ein richtiger Schock. Jahrelang war ich auf der Suche nach der eigenen Identität, habe Gefühle verdrängt, verzweifelt gebetet, Gott m¨o;ge mich "heilen" und letztendlich akzeptiert, dass ich so bin, wie ich bin!

Immer habe ich unter extremen Schuldgefühlen gelitten, dachte, Gott kann mich gar nicht lieben. Durch fromme Leistung, die Verweigerung sexuelle Gefühle zuzulassen und absolute Verdrängung des Problems dachte ich, meiner Herr zu werden. Meinte immer, wenn dann "die Richtige" kommt wird alles gut. Ich kam an den Punkt, an dem ich einen innerlichen Zusammenbruch hatte: Verlassen von Gott, so dachte ich, hatte ich mein inneres Outing. Es war überaus schmerzlich mir einzugestehen, dass ich nie Frau und Kind haben werde!

Ich hatte vom Leben eigentlich nichts mehr zu erwarten - nach außen hin schwul zu leben, kam für mich eigentlich nie in Frage. Ich war immer der Meinung, dass ein offen schwules Leben auf keinen Fall das ist, was Gott für mich wollte. Hatte ja nie etwas gegenteiliges gehört. In freikirchlichen Gemeinden wird Homosexualität fast immer verteufelt. Strikte Ablehnung erfährt jeder, der sich outet. Ich verurteile niemanden, der sich dagegen ausspricht, war ich doch selbst Jahrzehnte lang äußerst radikal "anti" gesinnt.

In meiner Verzweiflung machte ich mich auf die Suche nach anderen Betroffenen. Im Internet fand ich verschiedene Foren von Organisationen, die sich speziell an schwul/lesbische Christen wenden. Es war für mich eine totale Befreiung, als ich herausgefunden hatte, dass es Menschen gibt, denen es geht wie mir!
Zum ersten mal in meinem Leben konnte ich mich über mein "Problem" austauschen, konnte aussprechen, was ich vorher nie gewagt hatte zu tun! Doch trotz der vielen Berichte war ich mit mir und Gott noch nicht im Reinen.

Das hat sich erst am Karfreitagsgottesdienst 2002 geändert. Seit langem hatte ich nicht mehr Gottes Nähe und Liebe verspürt. Sein Tod, das Angebot bedingungsloser Liebe hat mich wieder zurück in die Arme Gottes gebracht. Seit diesem Zeitpunkt habe ich endlich das Gefühl, zu mir selbst gefunden zu haben!

In dieser wirren Zeit lernte ich meinen Partner kennen. Ihm ging es ebenso wie mir. Zusammen haben wir diese Situation gemeistert und dabei unsere Liebe entdeckt. Hört sich vielleicht komisch an, aber wir sind nun schon bald 2 Jahre zusammen und wollen das auch für immer bleiben.

Täglich darf ich die Treue Gottes erleben. Befreites Christsein und schwules Leben - Gottes Liebe kennt viel Facetten. In erster Linie bin ich überzeugter Christ, dann erst schwuler Mann. Die Maßstäbe eines Lebens mit Gott haben für mich Priorität. Ebenso der Auftrag, von der Botschaft Jesus weiterzusagen. Meine sexuelle Orientierung ist da eher Nebensache. Die Heilsbotschaft Gottes ist nicht abhängig von der sexuellen Orientierung eines Menschen, sondern davon, wie wir mit dem Angebot eines Neuanfangs in Christus umgehen!

Mai 2004


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